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1984 - 1991 / Generation Jörg Meyer
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| 1984 - Die Übernahme | |
| 1984 übernahm ich zum 1. Januar das Geschäft meines
verstorbenen Vaters. Ich hatte vorher in Hamburg gelebt und entschloß
mich nach der Beerdigung und vielen Gesprächen mit meiner Familie, ganz
nach Norderney zurückzukehren. Im Geschäft fand ich ein größtenteils
überaltetes Warenlager und einen sehr kleinen Laden, der kaum von
Kunden besucht wurde, vor. Zudem wartete der Umbau des II. Stockwerks
auf mich, den ich - wie schon zuvor mein Vater - in Eigenarbeit vollenden wollte.
Ich nahm mir vor, das Geschäft im Sinne meiner Vorfahren weiterzuführen und weiterhin ein an Norderneyer und Gäste gerichtetes faires Preisangebot, gekoppelt mit reeller Bedienung, vorzuhalten. Außerdem wollte ich das Geschäft stärker als bisher unter Sozial- und Umweltaspekten führen. Im Gegensatz zu meinem Vater wurde mir nicht das Haus überschrieben, so konnte ich deshalb nur das Haus von meiner Mutter pachten, was meiner Gestaltungskraft gelegentlich enge Grenzen setzte.
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| 1984 - Der Wiederaufbau | |
| Ich war Ende 1983 ohne wesentliche Mittel nach Norderney
gekommen, und die bescheidenen Einnahmen der ersten Tage reichten nicht
aus, um neue Investitionen und den dringend angeratenen Umbau sowie die
dringendsten Hausreparaturen zu finanzieren.
Trotzdem gelang es mir, zu einigen der "alten" Lieferanten, von denen sich mein Vater im Rahmen der Verkleinerung getrennt hatte, wiederzugewinnen (z.B. Triumph-Miederwaren), aber auch interessante neue Lieferanten aufzunehmen, z.B. Artikel der Firma Schiesser, Radolfzell. "Nebenbei" baute ich, größtenteils in Eigenarbeit, die Appartements im II. Stock des Hauses fertig, die ich bewußt nicht an Gäste, sondern an Einheimische zu bezahlbaren Preisen vermieten wollte. So hatte ich 1984 Tag und Nacht zu tun, und stand manches Mal völlig übernächtigt mit "dicken Augen" im Laden, da ich in der ersten Zeit auch keine Verkäuferin hatte und deshalb jeden Kunden selbst bedienen mußte.
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| 1985 - Der Umbau | |
| Im Jahre 1985 zog meine Mutter aus der hinter dem Laden
liegenden Wohnung aus, sodaß ich wieder die komplette Ladenfläche zur
Verfügung hatte und nun auch nutzen wollte, um wieder zu den führenden
Fachgeschäften der Insel zu gehören und dem Namen "Paul F.
Meyer" wieder zu "altem Glanz" zu verhelfen.
Wegen der beschränkten finanziellen Mittel sah ich mich auf dem Festland nach einer gebrauchten Ladeneinrichtung um und wurde mit Hilfe eines Schulfreundes in Pewsum fündig, wo in einer alten Scheune die gebrauchte Ladeneinrichtung einer Drogerie aus Emden fand, die für mein Sortiment ideal geeignet schien. Ich vereinbarte mit dem Ladenbautischler den Einbau in mein Geschäft, der im Frühjahr 1985 erfolgte. Auch hier leistete ich einen Teil in Eigenarbeit, z.B. alle Elektroarbeiten und den Anschluß der Ladenbeleuchtung. So entstand in wenigen Wochen ein hochmodernes Geschäft mit viel Platz für ein breites Warensortiment in modernster Präsentation. Dazu mußte auch ein neues Logo gehören, das uns die Zeichnerin Heidi Ipsen entwarf:
Auch unsere alte Familienwohnung im I. Stock bekam ich in diesem Jahr zurück, nachdem ich mühevoll Ersatz für die Mieterin gesucht hatte. Hier standen weitere Renovierungsarbeiten an.
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| 1986 - Fassadenneugestaltung | |
| 1985 hatte ich auf Norderney einen Urlaubsgast
kennengelernt, die Designstudentin Gisela Behlert aus Münster.
Sie fand Gefallen an der Geschichte unseres Hauses und wollte ihre
Abschlußarbeit über eine ungewöhnliche Neugestaltung unserer
Außenfassade schreiben.
Nachdem ich monatelang nichts von ihr gehört hatte, erreichte mich plötzlich ein Anruf der Uni Münster, in dem mir ihr Designprofessor mitteilte, sie habe mit ihren Gestaltungsvorschlägen den 1. Preis bekommen und lud mich zur Preisverleihung ein. Ein Teil der Abschlußarbeit bestand darin, das entworfene Modell in die Tat umzusetzen, und so erteilte ich ihr noch auf der Preisverleihungsfeier den Auftrag, die Fassadenneugestaltung an unserem Haus vorzunehmen. Auch hierbei half ich viel in Eigenarbeit mit, damit das Projekt finanzierbar blieb. Der Entwurf sah die Gestaltung mit verschiedenen eindimensionalen Figuren im Roy-Lichtenstein-Stil vor, die sowohl zu unseren verkauften Waren als auch zum Inselleben starken Bezug aufwiesen. Nach der Fertigstellung der Arbeiten wurde mir von der Stadt Norderney ein Preis für Stadtbildpflege in Höhe von 500,00 DM verliehen.
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| 1988 - Neubau "Kittel & Schürze" | |
| Bislang hatten wir Berufkleidung - hauptsächlich von der
Firma BP, Köln - in einer versteckten Ecke unseres Ladens in
beträchtlicher Menge abgesetzt. Mit der Zeit - und dem zunehmenden
Wunsch der Kunden, alle Ware sehen und anfassen zu können - reichte
dieser Platz nicht aus, und so kündigten wir unserem langjährigen Mieter
"Teddy-Foto", der unseren kleinen, abgeteilten Laden in der
Jann-Berghaus-Straße gemietet hatte, um dort ein eigenes Geschäft für
Berufskleidung zu eröffnen. Aus übriggebliebenen Teilen der
gebrauchten Ladeneinrichtung baute ich mit meiner Ehefrau Claudia in
Eigenarbeit einen weiteren Laden, den wir in Anlehnung an ein
plattdeutsches Wortspiel "Kittel und Schürze" nannten. Hier
war es auch möglich, Servierkleidung der Firma Greif, Bamberg
anzubieten.
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| 1988 Einführung der EDV | |
| Im Jahr 1988 schaffte ich meinen
ersten Computer an, der mir einen Teil meiner umfangreichen Bestell- und
Büroarbeiten abnehmen sollte. Ich lernte die Programmiersprache dBase
IV und schrieb die Software, die ich zur Unterstützung meiner Aufgaben
benötigte, selbst, um sie ganz meinen individuellen Bedürfnissen
anzupassen. Dadurch war es mir möglich, insbesondere im
hochbestellintensiven Kurzwarenbereich ständig alle Artikel verfügbar
zu halten und trotzdem noch etwas Zeit zu haben für meine kleine
Tochter Hilke, die in diesem Jahr geboren wurde.
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| 1989 - 1991 Das Ende | |
| Hätte mir noch 1989 jemand
gesagt, daß ich in weniger als zwei Jahren dieses traditionsreiche
Geschäft, das längst zu meiner Lebensaufgabe geworden war, aufgeben
würde, ich hätte ihn schlicht für verrückt erklärt.
Aber trotz des großen geschäftlichen Erfolges rächte es sich nun, daß ich nicht gleich zu Beginn meines Wirkens auf eine vernünftige vertragliche Absicherung mit der Familie gedrängt hatte. Meine weiteren Versuche, mir von meiner Mutter endlich das Haus überschreiben zu lassen, mündeten in einer Verhärtung der Fronten und äußerten sich vor allem darin, daß durch diese Auseinandersetzung meine Gesundheit rapide bergab ging. Auch die vielen Jahre unerschöpflicher Arbeit - oft bis tief in die Nacht - zeigten deutlich ihre Spuren. Nachdem ich mich 1990 einer umfangreichen ärztlichen Behandlung unterziehen mußte, entschloß ich mich, das nunmehr 71 Jahre alte Geschäft zu schließen, zumal meine Mutter mir das Pachtverhältnis zum Kündigungstermin 31.12.1991 gekündigt hatte. Mehr dazu finden Sie auch im Kapitel "Die Inhaber" |
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