Die Inhaber der Firma Paul F. Meyer
I. Paul F. Meyer (1890 - 1980)
Mein Großvater Paul F. Meyer wurde am 13. April 1890 auf Norderney geboren, als Kinder Eltern Reemt Deters Meyer und Frau Impke, geb. Apkes. Die väterlichen Vorfahren stammen aus Pilsum in Ostfr., die mütterlichen aus Ostermarsch bei Norden.
Paul F. Meyer besuchte die Volksschule in Norderney, und nach einigen Kriegs- und Wanderjahren, die ihn unter anderem nach Sachsen führten, nahm er 1904 eine Lehrstelle bei dem jüdischen Textilhändler Koppel & Weinberg, Poststraße, Norderney an.
Etwa um diese Zeit muß auch das Foto entstanden sein, das ihn in aufrechter "Photographenhaltung" zeigt:

1920 übernahm er das Geschäft seines Vaters im Herrenpfad 3, und im gleichen Jahr heiratete er am 20. November Adine Cornelius, ebenfalls aus Norderney (Bäckerei Cornelius) stammend. Aus der Ehe gingen sechs Kinder hervor, von denen jedoch drei im Kindesalter wieder verstarben.
Hier ein von 1920 datierendes Bild, womöglich das "offizielle" Hochzeitsfoto:

Nachdem Paul F. Meyer das Geschäft 1923 in ein Textilgeschäft verwandelt hatte, betrieb er dieses weiter bis zum Jahre 1965, in dem er es an seinen Sohn Detlef Meyer abgab. Er starb 1980 auf Norderney, wo er auch seinen Altersruhesitz gefunden hatte und wurde in der "Norderneyer Badezeitung" mit einem Nachruf bedacht.
II. Detlef Meyer (1922 - 1983)
Mein Vater Detlef Meyer wurde am 19. Februar 1922 als Sohn von Paul F. und Adine Meyer geboren. Nach dem Schulbesuch auf Norderney absolvierte er eine Lehre bei dem heute noch bekannten Textilhaus Silomon in Aurich. 1941 wurde er zur Wehrmacht eingezogen und blieb bis 1946 im Krieg, zuletzt in englischer Gefangenschaft in Ägypten.
Nach der Rückkehr stieg er in das elterliche Textilgeschäft ein, zunächst als Mitgesellschafter, später als Geschäftsführer. 1953 heiratete er seine Ehefrau Barbara, geborene Mollenhauer. Aus der Ehe gingen 2 Kinder hervor, Jörg *1954 und Cornelia *1955.
Etwa aus dieser Zeit stammt auch das Foto:

Am 1. April 1965 übernahm er Geschäft und Haus als Alleininhaber und führte die Firma jahrelang mit viel Erfolg und der schon von seinem Vater bekannten Seriosität. Er baute mit großem Fleiß und in vorwiegender Eigenleistung mehrfach das Haus und das Geschäft um, verzichtete bis auf zwei Ausnahmen auf jeglichen Urlaub und war - wie schon sein Vater zuvor - mit Leib und Seele Geschäftsmann.

1981 verkleinerte er jedoch aufgrund seines schlechten Gesundheitszustandes und seiner zunehmenden Hörlosigkeit das Geschäft. Am 14. Dezember 1983, nur drei Jahre nach seinem Vater, folgte er diesem in den Tod.
Ich wurde 1954 auf Norderney als erster Sohn meiner Eltern Detlef und Barbara Meyer geboren. 1960 besuchte ich zunächst die Volksschule, später die Realschule auf Norderney und in Norden. 1970 absolvierte ich eine dreijährige Lehre zum Einzelhandelskaufmann bei der Firma Hertie in Emden, danach verpflichtete ich mich für 2 Jahre als Zeitsoldat. Anschließend arbeitete ich für 2 Jahre in einer Elektrogroßhandlung in Dortmund und zog dann nach Hamburg, wo ich bis zum Tode meines Vaters ebenfalls mehrere Stellen in bekannten Elektrogroßhandlungen innehatte.
Bei meiner Rückkehr nach Norderney im Dezember 1983 fand ich ein ziemlich am Boden liegendes Geschäft in einem stark renovierungsbedürftigen Haus vor. Ich brach alle Zelte in Hamburg ab und zog wieder nach Norderney, wohnte zunächst in einem einzigen Zimmer, weil unsere Familienwohnung vermietet war. Die Aufgabe, dem Geschäft wieder zu seinem alten bekannten Namen zu verhelfen und den Einheimischen wie den Gästen ein faires Warenangebot vorzuhalten, reizte mich, und so begab ich mich - zunächst ohne die Untermauerung durch Verträge - nur allzu schnell an meine neue Aufgabe.

Später schloß ich dann mit meiner Mutter einen Pachtvertrag ab, der mich auch zur Renovierung des Hauses verpflichtete. Das Haus wollte meine Mutter mir nicht überschreiben, obwohl dies auch bei meinem Vater und Großvater so gewesen war und mir das als Grundlage zur Finanzierung und auch für die Freiheit der getroffenen Entscheidungen unverzichtbar gewesen wäre.
So finanzierte ich die "großen" Investitionen, die am Anfang mein Geschäft wieder groß machten, ausschließlich aus Girokrediten, was mir bald eine unzumutbare Belastung wurde. Auch hatte ich nicht einschätzen können, in welchem Maße das Haus renovierungsbedürftig war und welch große Investitionen allein zur Hauserhaltung erforderlich gewesen wären. Last not Least wollte ich auch nicht den Fehler meines Vaters wiederholen, nur für die Erbansprüche der Geschwister zu arbeiten. Ohne eigenes Haus ist das alles nicht zu leisten!
Trotzdem bekam ich eine Menge auf die Reihe und schreckte auch nicht davor zurück, mich auf der Insel aktiv politisch zu betätigen, und dies keinesfalls nur auf der rechten Seite der Mitte, auf der meine Eltern immer gestanden hatten. Aber nicht nur das: ich wurde wie schon mein Vater 2. Vorsitzender im örtlichen Einzelhandelsverband, und gründete schließlich 1990 zusammen mit anderen Norderneyer Kaufleuten die IWN, die Inselwerbegemeinschaft Norderney.
Am 4. Dezember 1987 heiratete ich meine Ehefrau Claudia, und 1988 wurde am 8. April unsere Tochter Hilke geboren, für die wir erneut unsere inzwischen wiedergewonnene Familienwohnung umbauen mußten.

Im gleichen Jahr führte ich auch den Computer in das Geschäft ein, zunächst nur zur Unterstützung der Büroarbeit, später vor allem für die aufwendigen Bestellungen, die mir ohne EDV - Unterstützung einen großen Teil meiner Freizeit geraubt hatten. Ich lernte eine Programmiersprache und schrieb die Software für mein Geschäft selbst.
Im Laufe der Jahre versuchte ich immer wieder zu erwirken, daß mir das Haus überschrieben wird, aber leider ohne Erfolg. Im Jahr 1989 schaltete meine Mutter einen Rechtsanwalt aus Norden in diese Sache ein, der künftig, manchmal täglich, für "angenehme Überraschungen" sorgte.
Ich wollte dieser Streiterei gern aus dem Wege gehen, weil ich merkte, daß mich diese Auseinandersetzung gesundheitlich stark beeinträchtigte, und Anfang 1990 mußte ich wegen totaler Erschöpfung auf dem Festland in ärztliche Behandlung begeben. In dieser "Zwangspause" erholte ich mich etwas und überlegte mir auch, daß wenn keine nachhaltige Änderung eintritt, ich trotz aller Verpflichtung der vergangenen Generation gegenüber das Geschäft aufgeben wollte.
Aus diesem Grunde nahm ich auch die Kündigung, die meine Mutter 1991 über ihren Anwalt aussprechen ließ, einfach an, auch wenn ich damit den Kampf um unsere letztes noch verbleibendes Familienhaus aufgegeben hatte, war mir doch meine und die Gesundheit meiner Familie wichtiger geworden.
Durch einen Zufall hörten wir 1991, daß die Drogerie Hirsch, unserem Geschäft schräg gegenüber im alten Lubinius - Haus, aufgeben wollte, und so mietete meine Frau die Räume an, um dort einen Laden zu eröffnen. Die Bauerei ging von vorne los, dann kaufte sie meinen gesamten Warenbestand, und "unser" erfolgreiches Geschäft fand dort noch ein knappes Jahr seine Fortsetzung.
Leider mußten wir aber dadurch auch aus meinem Elternhaus ausziehen, und fanden so schnell für unsere Familie keine neue Wohnung, sodaß uns nichts anderes übrig blieb, auf das Festland zu ziehen, wo uns schnell klar wurde, daß man einen so heimatverbundenen Laden nur schlecht "ferngesteuert" führen kann, zudem galt es auch, unser Kind nicht zu vernachlässigen, das weit mehr als wir unter der "Entwurzelung" aus ihrer Heimat und der damit verbundenen vertrauten Umgebung litt.
Meine mittlerweile gewonnenen Computerkenntnisse hatten es mir ermöglicht, auf dem Festland eine neue Chance durch eine gute Arbeitsstelle zu erhalten, und so konnte ich mich auch nicht mehr im erforderlichen Maße um unser Norderneyer Geschäft kümmern, das wir dann schweren Herzens 1992 aufgaben.
Wir zogen zunächst nach Elsfleth, wo wir knapp zwei Jahre wohnten. Die Ereignisse waren auch an uns nicht spurlos vorbeigegangen, und nachdem sich auch unsere Wege getrennt hatten, zog ich zunächst allein nach Bremen, später folgte meine mittlerweile geschiedene Frau auch dorthin.
Seither leben wir in Bremen.
möchte ich an dieser Stelle an alle aussprechen, die uns auf unserem Weg begleitet haben,
insbesondere
Claudia Meyer, die mit großer Geduld das Kunststück fertigbrachte, mit einem arbeitssüchtigen Ehemann zusammenzuleben und mit ungeheurem Fleiß half, die Geschäfte aufzubauen und zu betreiben
meiner Tochter Hilke, die ihren Vater wegen der vielen Arbeit manches Mal nicht gesehen hat
allen Kunden, die uns das Vertrauen entgegenbrachten,
meinen Verkäuferinnen und Auszubildenden, die ihren nicht immer einfachen Chef klaglos ertrugen
der Oldenburgischen Landesbank (besonders Herrn Goerndt) sowie der Volksbank Norderney, die uns auch in schwierigen Zeiten immer unterstützten und uns mit Rat und Tat zur Seite standen
allen Handwerkern, die meine manchmal etwas eigenwilligen Wünsche mit großem Geschick umsetzten und den Ärger darüber herunterschlucken konnten, daß ich so vieles selbst gemacht habe
meinen Freunden und Bekannten, die mich oft genug nicht sahen, weil ich so viel Arbeit im Geschäft hatte
der "Norderneyer Badezeitung", die meine literarischen und photografischen Anfälle als Leserbriefe veröffentlichte, auch wenn sie manches Mal gegen die "herrschende Meinung" waren
und hier natürlich insbesondere meinem liebgewordenen Freund und Weggefährten Wilfried Lührs, der mich unglaublich unterstützt hat
allen politischen und öffentlichen Personen und Organisationen auf Norderney, die sich sicherlich oft genug über meine unbequeme und "abweichlerische" Meinung geärgert haben
allen Norderneyern, die mich nach meiner Rückkehr 1984 positiv und wohlwollend aufnahmen und mir immer das Gefühl gaben, daß die Insel doch eine mehr oder weniger große Familie ist!